2. Folge - Habe ich gelebt oder nur funktioniert?
Shownotes
In dieser Folge schaue ich zurück auf mein Leben vor der Erkrankung – auf Arbeit, Familie, Verantwortung und das Gefühl, immer funktionieren zu müssen.
Ich war leistungsorientiert, wollte es allen recht machen und hatte irgendwann kaum noch ein Gefühl dafür, was ich selbst eigentlich brauche oder möchte.
Erst als das Funktionieren nicht mehr ging, begann ich mich zu fragen: Was wünsche ich mir eigentlich für mein eigenes Leben?
Es geht um das Hamsterrad, um eine Säule nach der anderen, die wegbricht – und um ein leeres Blatt Papier, das mir plötzlich gezeigt hat, wie wenig ich mich selbst eigentlich noch gefragt hatte, was ich möchte. ❤️
Transkript anzeigen
00:00:03: Hallo und herzlich willkommen bei Wellen der Hoffnung.
00:00:06: Ich bin Johanna, schön dass du wieder da bist!
00:00:11: Am Ende der letzten Folge habe ich mich gefragt ob ich von meiner Erkrankung eigentlich wirklich gelebt habe oder ob ich hauptsächlich funktioniert hab?
00:00:22: Und genau darüber möchte ich heute mit dir sprechen.
00:00:26: Wenn ich heute auf diese Zeit zurückblicke würde ich nämlich nicht sagen das sich unglücklich war.
00:00:32: Ganz im Gegenteil.
00:00:34: Ich hatte meine Familie, meine Arbeit, Freunde.
00:00:38: Ich habe Sport gemacht viel gelacht und hatte eigentlich ein ganz normales Leben.
00:00:45: Und trotzdem war da etwas.
00:00:48: ich vermüde und damit meine ich nicht diese Müdigkeit bei der man einfach mal eine Nacht richtig durchschlafen muss.
00:00:57: Es war eher dieses Gefühl das im Kopf ständig irgendetwas weiterläuft.
00:01:02: Was muss sich noch erledigen?
00:01:04: was habe ich vergessen, wer braucht mich?
00:01:07: Was ist
00:01:07: morgen?".
00:01:09: Und irgendwie gab es immer etwas.
00:01:12: Ich glaube, ich war ziemlich gut dahin einfach weiterzumachen.
00:01:18: Wenn etwas erledigt werden musste, wurde es erledigend.
00:01:22: Wenn jemand mich brauchte, war ich da und wenn das mir selbst nicht gut ging... Naja!
00:01:31: Dann ging es eben trotzdem weiter.
00:01:35: In den Jahren vor meiner Diagnose war einiges passiert.
00:01:39: Mein Vater ist gestorben, meine Schwester ist gestorsen und auch mein Sohn ging es in dieser Zeit nicht gut was mir natürlich große Sorgen gemacht hat.
00:01:51: das waren alles keine Kleinigkeiten Und Schotztimm lief das Leben weiter also lief ich irgendwie mit.
00:02:02: Ich weiß noch, dass ich damals einmal beim Arzt saß und versuchte ihm zu erklären wie ich mich fühle.
00:02:09: Und dafür hatte ich ein Bild im Kopf.
00:02:32: die einem im Leben halt geben.
00:02:36: Und bei mir war gefühlt eine Säule nach der anderen weggebrochen.
00:02:41: Ich stand noch, die Platte war auch noch da!
00:02:45: Aber sie wackelte.
00:02:48: und ich weiß noch das ich gesagt habe wenn jetzt noch eine Sölle wegbricht weiss ich nicht ob ich das noch halten kann.
00:02:58: eigentlich wusste sich zu diesem Zeitpunkt schon dass ich eine Pause brauchte.
00:03:03: Ich hatte in der Zeit sogar eine Reha beantragt.
00:03:07: Einfach weil ich gemerkt habe, so richtig gut geht es mir gerade nicht.
00:03:13: Leider wurde diese Reha abgelehnt.
00:03:17: und was macht man dann?
00:03:18: Naja... Man macht weiter!
00:03:22: Zumindest habe ich das gemacht.
00:03:26: Irgendwann meldete sich auch mein Körper.
00:03:29: Ich bekam Vorruflemmaren und musste ins Krankenhaus.
00:03:33: Und mir ist an dieser Stelle etwas wichtig.
00:03:36: Ich möchte heute nichts rückblickend irgendwelche Zusammenhänge herstellen und sagen, meine Belastungen hätten meine spätere Krebserkrankung verursacht.
00:03:45: Das weiß ich nicht!
00:03:47: Und darum geht es mir auch gar nicht.
00:03:51: Was ich aber heute weiß, mir ging es schon vorher nicht gut.
00:03:56: Ich war erschöpft, ich hatte viel erlebt... ...und trotzdem habe ich immer gedacht, das geht schon
00:04:04: irgendwie.".
00:04:06: Vielleicht kennst du diesen Satz ja auch, das geht schon.
00:04:11: Noch diese Woche noch diesen Termin nochmal schnell dies erledigen und danach wird es ruhiger.
00:04:19: Danach kümmere ich mich um mich nur dieses danach.
00:04:25: Das kam irgendwie nie.
00:04:27: Ich glaube ich hatte über viele Jahre gelernt mich selbst ziemlich weit hinten anzustellen Und dass meine ich überhaupt nicht vorwuchsvoll.
00:04:37: Ich habe das ja nicht bewusst entschieden.
00:04:40: Ich bin morgens nicht aufgestanden und habe gedacht, so Johanna heute kümmerst du dich bitte um alle außer um dich selbst!
00:04:48: Es war einfach normal Familie Kinder Arbeit Haushalt Freunde Verpflichtungen Und irgendwo dazwischen war natürlich auch ich nur vielleicht nicht unbedingt ganz oben auf der Liste.
00:05:08: Ich hätte damals wahrscheinlich trotzdem gesagt, mir geht es doch gut.
00:05:12: Denn ich habe mein Leben ja gelebt!
00:05:15: Ich habe gelacht und ziemlich viel gelacht.
00:05:18: Ich hatte schöne Momente... ...ich hatte Menschen die ich liebe.. ..ich hatte Spaß.
00:05:25: Deshalb möchte ich mein altes Leben heute auch überhaupt nicht schlecht reden.
00:05:30: Die Frau, die ich damals war, die war nicht falsch ganz bestimmt nicht Aber vielleicht hätte sie ein bisschen verlernt, sich selbst zu schagen.
00:05:42: Wie geht es eigentlich mir?
00:05:44: Nicht den Kindern!
00:05:46: Nicht der Familie!
00:05:47: Nicht den Kollegen!
00:05:49: Nicht allen anderen sondern mir!
00:05:53: Irgendwann begann ich mich ein bisschen mehr mit mir selbst zu beschäftigen.
00:05:59: Ich fing mit Meditation an.
00:06:01: Das war für mich damals etwas völlig Neues Still sein Nichts erledigen, nicht funktionieren.
00:06:09: Einfach einmal wahrnehmen was eigentlich gerade da ist.
00:06:13: Und irgendwann hörte ich ein Podcast von Laura Marlina Seiler.
00:06:18: Darin ging es um Wünsche und die Frage Was wünsche ich mir eigentlich?
00:06:24: Eigentlich keine besonders schwierige Frage oder?
00:06:28: Dachte ich damals.
00:06:30: Also nahm mich mehr ein Blatt Papier und einen Stift.
00:06:34: Dann saß sich da Ich wollte meine Wünsche aufschreiben.
00:06:39: Was wünsche ich mir für mein Leben?
00:06:41: Was möchte ich noch erleben, was macht mich glücklich?
00:06:45: Was will ich und mir viel nicht
00:06:50: sein?".
00:06:52: Ich saß tatsächlich vor diesem weißen Blattpapier und wusste nicht, was ich darauf schreiben
00:06:58: sollte.".
00:07:00: Das hat mich ziemlich beschäftigt!
00:07:02: Denn wahrscheinlich hätte ich dir sofort sagen können, was meine Kinder brauchen.
00:07:07: Ich wusste, was auf der Arbeit erledigt werden musste.
00:07:11: Ich wuste, was eingekauft und gekocht werden musste Wer einen Termin hatte, wer Hilfe brauchte Was als nächstes zu tun war.
00:07:22: Aber bei einer eigentlich ganz einfachen Frage Hätte ich plötzlich keine Antwort Johanna!
00:07:30: Was wünsch du dir?
00:07:32: Heute finde ich dieses leere Blatt fast symbolisch Denn vielleicht war es gar nicht so, dass ich keine Wünsche hatte.
00:07:41: Vielleicht hatte ich einfach nur sehr lange nicht mehr danach gefragt und vielleicht kennst du das auch?
00:07:50: Vielleicht weißt Du ganz genau was die Menschen um Dich hier rumschauen aber wann hast Du Dich das letzte mal gefragt Was brauche ich eigentlich oder was wünsche Ich mir?
00:08:05: Du musst darauf jetzt übrigens keine Antwort haben.
00:08:08: Ich hatte sie damals auch nicht.
00:08:11: Mein Blattpapier blieb erst einmal leer, aber vielleicht war genau dieses leere Blatt der Anfang von etwas denn langsam begann ich zu verstehen das es in meinem Leben einen Menschen gab um den ich mich ziemlich lange nicht besonders gut gekümmert hatte...mich selbst und was sich darüber lernen musste Und warum ich irgendwann tatsächlich die Frage stellte, ob ich jetzt etwas egoistischer werden müsse?
00:08:44: Davon erzähle ich dir in einer der nächsten Folge.
00:08:49: Danke, dass du heute wieder mit mir auf dieser Welle unterwegs warst!
00:08:53: Vielleicht nimmst du dir irgendwann oder in den nächsten Tagen auch einmal ein Lehrersblatt und schreibst oben nur eine Frage hin – was wünsche
00:09:05: ICH?!
00:09:05: Mir eigentlich.
00:09:08: Und wenn das Blatt erst einmal leer bleibt, ist es auch okay.
00:09:12: Manchmal braucht eine Antwort ein bisschen Zeit.
00:09:16: und denkt dran keine Welle gleich der anderen.
00:09:20: vielleicht trägt dich die nächste an einen Ort den du heute noch gar nicht sehen kannst bis zur nächsten welle.
00:09:28: und schön dass du da warst.
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