1. Folge - Wer bin ich geworden
Shownotes
In dieser ersten Folge erzähle ich, warum „Wellen der Hoffnung“ entstanden ist und wie sich mein Blick auf das Leben nach meiner Erkrankung verändert hat.
Ich dachte lange, ich würde irgendwann einfach wieder in mein altes Leben zurückkehren. Doch irgendwann habe ich gemerkt: Ich bin nicht mehr dieselbe – und vielleicht ist das gar nichts Schlechtes.
Es geht um Veränderung, Selbstfürsorge, das Loslassen alter Erwartungen und die Frage: Wer bin ich eigentlich geworden?
Schön, dass du da bist. ❤️
Transkript anzeigen
00:00:03: Hallo und herzlich willkommen bei Wellender Hoffnung.
00:00:07: Ich bin Johanna, schön, dass du da bist!
00:00:11: Hätte mir vor drei Jahren irgendjemand gesagt, dass ich heute hier sitze und ein Podcast machen möchte?
00:00:18: Dem hätte ich wahrscheinlich einen Vogel gezeigt oder Info für Rück erklärt.
00:00:23: Doch nun sitz' sich tatsächlich hier... ...ich weiß noch gar nicht genau wohin uns dieser Podcast hören wird aber Vielleicht passt gerade das ganz gut zu meinem Leben der letzten Jahre, denn auch da wusste ich ziemlich oft nicht wohin die Scheiße geht.
00:00:41: Ich erinnere mich noch an einen Film den ich vor meiner Therapie gesehen habe.
00:00:46: Darin sagte eine Frau sinngemäß es gäbe ein Leben vor der Diagnose und ein Leben nach der Therapie.
00:00:55: Und ich weiß noch genau dass sich damals gedacht habe ich möchte auch ein Leben dazwischen haben.
00:01:03: Ich wollte diese Krankheit irgendwie hinter mich bringen und dann wieder ich sein.
00:01:09: Mein altes Leben, mein Körper und natürlich meine Kraft ohne Einschränkungen!
00:01:17: Also die Frau, die ich vorher gewesen war sportlich schlank lange Haare Und natürlich mit der Leichtigkeit des Lebens Heute muss sich darüber ein bisschen lächeln Denn inzwischen weiß ich, ich kann diesen Teil meines Lebens nicht einfach ausklammern.
00:01:42: Und nicht nur mein Körper sondern auch meine ganze Einstellung zum Leben hat sich verändert und mittlerweile gefällt mir mein neues Ich viel besser.
00:01:53: Vielleicht ist genau deshalb dieser Podcast entstanden.
00:01:58: aber erst einmal möchte ich dich ein Stück zurück auf meine Reise mitnehmen.
00:02:03: Vor ungefähr drei Jahren steckte ich ziemlich fest in meinem Hamsterrad.
00:02:09: Wobei, damals hätte ich das wahrscheinlich gar nicht so genannt Ich habe funktioniert.
00:02:16: Arbeit, Familie, Alltag Dinge erledigen natürlich für andere da sein und immer weitermachen!
00:02:26: Ich war es gewohnt dass ich Dinge schaffe.
00:02:29: wenn ich etwas angefangen habe wollte ich am liebsten auch sofort alles zu Ende bringen.
00:02:36: Eine Psychiomkologin hat später einmal zu mir gesagt, Ich sei sehr leistungsorientiert.
00:02:43: heute kann ich darüber schmunzeln und sagen Ja da könnte etwas dran gewesen sein.
00:02:50: damals habe ich das wahrscheinlich gar nicht so wahrgenommen.
00:02:55: Und dann kam der Tag mit der Diagnose Prostkrebs.
00:03:00: Plötzlich war mein Hamsterrad stehen geblieben.
00:03:04: Ich weiß noch, wie ich nach dem Arztterminer Hause gefahren bin.
00:03:08: Ich war gleich krank geschrieben und dann saß ich zuhause.
00:03:14: Und natürlich war da Angst!
00:03:16: Da waren unglaublich viele Gedanken.
00:03:20: was passiert jetzt?
00:03:21: Was kommt auf mich zu?
00:03:23: Und werde ich das alles überleben?
00:03:28: aber da war noch etwas anderes und dass es gar nicht so leicht auszusprechen Weil es vielleicht erst einmal merkwürdig klingt.
00:03:38: Ich habe durchgeatmet und ich weiß noch, dass ich gedacht habe okay jetzt musst du nichts Jetzt darfst Du einfach nur an Dich denken.
00:03:54: Also eine Kripsdiagnose ist nicht so für ich dankbar bin Und ich möchte sie auch nachhinein mit keinem Wort schönreden.
00:04:03: Aber dieser Moment hat mein Leben angehalten.
00:04:06: Zum ersten Mal seit langer, langer Zeit musste ich nicht funktionieren.
00:04:13: Ich durfte einfach nur ich sein.
00:04:16: Damals wusste ich noch nicht wie wichtig genau das Eimer für mich werden würde und dann begann die Behandlung.
00:04:26: Plötzlich bestand mein Leben aus Terminen, Untersuchungen, Chemotherapie, Operationen und Bestrahlung.
00:04:34: In dieser Zeit hat man kaum Raum für Ängste und Traurigkeiten, denn man funktioniert.
00:04:47: Man lässt einfach alles mit sich machen!
00:04:51: Und es gab auch in dieser Zeit unglaublich schöne Begegnungen.
00:04:55: Es gab Menschen die meldeten sich bei mir von denen ich gar nicht erwartet hätte.
00:05:02: Ich bekam Briefe Nachrichten und Anrufe Und manchmal waren ausgerechnet Menschen plötzlich da, mit denen ich vorher gar nicht besonders viel Kontakt gehabt hatte.
00:05:15: Andere von denen ich dachte sie würden selbstverständlich da sein blieben stillen.
00:05:22: auch das gehört zu meiner Geschichte aber darüber möchte ich ein anderes mal erzählen denn während dieser ganzen zeit war ich hauptsächlich mit einer sache beschäftigt durchkommen und Ich hatte einen ziemlich klaren Plan.
00:05:42: Wenn die Therapie vorbei ist, dann werde ich wieder die Alte.
00:05:46: Meine Haare wachsen wieder, ich werde wieder fit, die zusätzlichen Kilos verschwinden... ...ich mache wieder Sport, ich gehe wieder arbeiten und dann geht mein Leben weiter.
00:05:59: Eigentlich ganz einfach!
00:06:02: Zumindest dachte ich das was ich damals noch nicht verstanden hatte.
00:06:07: Mein Körper Und meine Seele hatten offenbar zwei völlig unterschiedliche Zeitpläne.
00:06:15: Der Körper begann sich langsam zu erholen, aber innerlich war etwas passiert.
00:06:21: Etwas hatte sich verschoben und irgendwann musste ich feststellen Ich bin gar nicht mehr die Frau, die ich vorher war.
00:06:30: Das hat mir zunächst Angst gemacht Denn wenn man so lange darauf wartet endlich wieder die Alte zu sein Was macht man dann?
00:06:40: wenn diese Frau gar nicht zurückkommt.
00:06:44: Heute kenne ich die Antwort darauf.
00:06:48: Ich musste sie irgendwann mal gar nicht mehr zurückhaben, denn ganz langsam lernte ich eine andere Frau kennen – mich nur anders, ruhiger an manchen Stellen, klarer an anderen mit mehr Grenzen, mit anderer Wünschen und mit Fragen, die ich mir vorher nie gestellt
00:07:12: hatte.".
00:07:14: Und irgendwann konnte ich einen Satz sagen, von dem ich früher gedacht hätte, dass er niemals aus meinem Mund kommen würde.
00:07:22: Mein neues Ich gefällt mir viel besser!
00:07:28: Warum dieser Podcast?
00:07:30: Warum Wellen der Hoffnung?
00:07:33: Das Leben der letzten Jahre verliefe mich nicht geradeaus.
00:07:38: Es waren Wellen, manche haben mich umgehauen Manche haben sich getragen Und manchmal kam nach einer richtig großen Welle plötzlich ganz still etwas Schönes.
00:07:54: Eine Begegnung, ein Satz, einen Mensch, ein Gedanke oder eine kleine Tür die sich geöffnet hat von der ich vorher gar nicht wusste dass es sie überhaupt gibt.
00:08:09: Von genau diesen Moment möchte ich erzählen Nicht weil ich Antworten auf alles habe Und auch nicht, weil ich dir erzählen möchte wie man sein Leben richtig lebt.
00:08:21: Ganz bestimmt nicht!
00:08:23: Ich möchte einfach meine Geschichte mit dir teilen und vielleicht erkennst du dich irgendwo darin wieder?
00:08:34: Denn du musst keine Krebsdiagnose bekommen haben um irgendwann an einen Punkt zu kommen an den du dich fragst.
00:08:43: ist das eigentlich noch mein Leben oder Wer bin ich geworden?
00:08:51: Und vielleicht sogar wer möchte ich eigentlich sein.
00:08:56: Genau diesen Fragen möchte ich in den nächsten Folgen nachgehen und dafür müssen wir zunächst noch ein Stück zurück gehen, denn bevor ich verstehen konnte wer ich heute bin musste ich irgendwann verstehen wer ich vorher gewesen war und ob ich damals wirklich gelebt habe oder hauptsächlich funktioniert.
00:09:22: Davon erzähle ich dir in der nächsten Folge.
00:09:26: Danke, dass du heute mit mir auf dieser ersten Welle unterwegs warst und vielleicht bist auch du gerade irgendwo zwischen dem davor und einem danach.
00:09:39: Dann wünsche ich dir das du deiner Zwischen nicht nur als Wartezeit siehst.
00:09:45: Vielleicht entsteht genau dort etwas Neues Und denk dran, keine Welle gleicht der anderen.
00:09:56: Vielleicht trägt dich die Nächste an einen Ort den du heute noch gar nicht sehen kannst!
00:10:02: Also bis zur nächsten Welle und schön dass du da warst.
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